Bolivien: Arbeitende Kinder fordern Mitsprache beim neuen Kinder- und Jugendgesetz

In Bolivien haben in den letzten Tagen hunderte von arbeitenden Kindern gegen ein neues Kinder- und Jugendgesetz protestiert, in dem ihnen bis zum Alter von 15 Jahren untersagt werden soll, eine Arbeit auszuüben. Bei einer Demonstration vor dem Parlament in La Paz ging die Polizei sogar mit Knüppeln und Tränengas auf die Kinder los (siehe Video weiter unten). Mehrere Kinder wurden verletzt und mussten in einem Gesundheitszentrum ärztlich behandelt werden.

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Arbeitende Kinder und Jugendliche protestieren am 18.12.2013 im Zentrum von La Paz

Die Kinder machen darauf aufmerksam, dass das im neuen Kinder- und Jugendgesetz vorgesehene pauschale Verbot der „Kinderarbeit“ der Verfassung widerspricht, die 2009 in einem Referendum beschlossen worden war. In der Verfassung, an deren Beratung auch die Bewegung arbeitender Kinder und Jugendlicher Boliviens (UNATSBO) mitwirken konnte, wird erstmals nicht pauschal die Arbeit von Kindern, sondern gezielt „Zwangsarbeit und Ausbeutung von Kindern“ untersagt und Kindern wird ausdrücklich das Recht zu arbeiten zugebilligt. In Anlehnung an indigene Traditionen heißt es darin: „Aktivitäten, die Kinder im familiären und sozialen Rahmen ausüben, dienen ihrer Entwicklung als Bürgerinnen und Bürger und haben eine bildende Funktion.“

Vor zwei Jahren berichtete ProNATs dass die in UNATSBO organisierten Kinder und Jugendlichen unter Bezug auf die Verfassung einen eigenen Gesetzentwurf ausgearbeitet hatten, der ihre Rechte umfassend sichern sollte. Sie verlangen nun, dass ihre Vorschläge auch bei dem neuen Gesetz beachtet und ihre in der UN-Kinderrechtskonvention garantierten Partizipationsrechte gewahrt werden. In einer Erklärung von UNATSBO heißt es: „Wir protestieren gegen das Kinder- und Jugendgesetz, das die Arbeit von Kindern verbieten will. Was passiert mit uns Kindern, wenn wir noch nicht 15 Jahre alt sind und kein Gesetz uns bei der Arbeit schützt? Was soll also dieses Gesetz?“

Mit ihren Protesten haben die Kinder und Jugendlichen zumindest erreicht, dass das Kinder- und Jugendgesetz noch einmal beraten und nicht vor Mitte Januar beschlossen wird. Dabei spielte sicher eine Rolle, dass ihr Protest in den Medien über die nationalen Grenzen hinaus Aufmerksamkeit fand und sich zahlreiche Organisationen und Personen aus verschiedenen Ländern, darunter auch terre des hommes und ProNATs, ihrem Protest anschlossen. ProNATs ruft dazu auf, die Abgeordneten des bolivianischen Parlaments an ihre Verpflichtung zu erinnern, sich an die Verfassung zu halten und die Rechte der arbeitenden Kinder zu achten Stellungnahmen leitet ProNATs (info@pronats.de) gerne an UNATSBO und die zuständigen Stellen weiter.