Asunción 2001

Abschlusserklärung des VI. Treffens der arbeitenden Kinder und Jugendlichen Lateinamerikas und der Karibik, Asunción, Paraguay, 12. bis 18. August 2001

Wir sind eine Bewegung von arbeitenden Kindern und Jugendlichen (Niños y Niñas Trabajadores/NATs) aus Lateinamerika und der Karibik, die seit 13 Jahren für die Verteidigung und die Erfüllung unserer Rechte, für unsere Anerkennung als soziale Akteure und für unsere organisierte Selbstbestimmung kämpft.

Alle auf dem VI. Treffen der arbeitenden Kinder und Jugendlichen Lateinamerikas und der Karibik vom 12. - 18. August in Asunción, Paraguay, vetretenen Gruppen, Organisationen und Bewegungen der NATs aus zehn Ländern Lateinamerikas und der Karibik, geben eine kritische Stellungnahme aus der Sicht der NATs zum UN-Dokument "Un mundo apropiado para los niños" (Eine für Kinder geeignete Welt) und besonders zum Weltkindergipfel und der "weltweiten Bewegung für die Kinder" ab. Wir werfen dazu folgende Fragen auf:

Die Internationale Kinderrechtskonvention erkennt an, dass wir ein Recht auf Vereinigung haben, auf Beteiligung und darauf, dass unsere Meinung zu den Problemen, die uns betreffen, berücksichtigt wird. Daher steht es uns zu, unsere Rechte einzuklagen. Dieses Dokument ist daher die Stimme der organisierten NATs Lateinamerikas und der Karibik.

Wir, als lateinamerikanische und karibenische Bewegung der NATs, sind der Ansicht, dass es ein Recht zu arbeiten gibt, davon ausgehend, dass Arbeit den Menschen Würde gibt, da sie eine praktische Form des Lernens, eine Quelle der Bildung und des Familieneinkommens ist. Uns ist bewusst, welchen Beitrag wir der Gesellschaft insgesamt liefern. Womit wir nicht einverstanden sind, sind ausbeuterische, marginalisierende, diskriminierende und von Gewalt geprägten Arbeitsbedingungen.

Entgegen der allgemein herrschenden Vorstellung, die Prostitution, Bettelei, Bandenwesen, Sklaverei und Misshandlung als Arbeit bezeichnet, sind wir der Meinung, dass dies schlecht recherchiert ist. Ausgehend von unserer Erfahrung als Arbeiter und unserem kulturellen Kontext sagen wir, dass dies keine Arbeiten sind, sondern vielmehr Delikte.

Wir kämpfen für die Arbeit der Kinder

  • In Würde und unter guten Bedingungen
  • Anerkannt als ein Recht und nicht als eine Pflicht
  • Respektiert und geschützt durch nationale Gesetze
  • Nicht diskriminiert und ausgebeutet, da von Kindern durchgeführt

Daher fordern wir:

  1. Die Schaffung von Produktionswerkstätten für arbeitende Kinder und Jugendliche.
  2. Wir wollen, dass weder die Vereinbarung Nr. 138 (Mindestalter) noch die Vereinbarung Nr. 182 (schlimmste Formen der Kinderarbeit) der Internationalen Arbeits-Organisation (ILO) von unseren Regierungen unterschrieben noch ratifiziert wird.
  3. Wir wollen nicht, dass man die arbeitenden Kinder und Jugendlichen verfolgt, weil sie arbeiten.
  4. Arbeitsplätze unter guten Bedingungen für unsere Eltern und uns einzurichten.
  5. Wir benötigen eine kostenlose qualifizierte Ausbildung mit pädagogisch ausgebildeten Lehrern, eine Bildung die Raum für Beteiligung und Protagonismus lässt.
  6. Wir wissen, dass die Rechte der Kinder für alle Kinder gleichermaßen gelten. Daher fordern wir, dass man uns als NATs einbezieht in alle Diskussionen und Abmachungen über Probleme, die uns angehen.
  7. Wir fordern, dass man uns Kinder und Jugendliche als Rechtssubjekte und nicht als Objekte wahrnimmt, denn der Anspruch auf Rechte besteht für jede Person gleichermaßen.

Wir möchten den auf dem Gipfel anwesenden Personen Folgendes mitteilen:

  1. Man möge uns ungestört unserer Arbeit nachgehen lassen.
  2. Man möge uns die Möglichkeit geben, bei allen Anlässen, wo über uns geredet wird, anwesend zu sein.
  3. Die Erwachsenen sollen uns nicht misshandeln und ausnutzen.
  4. Die Sozialprogramme sollten verbessert und ausgeweitet werden.
  5. Es sollte mehr Möglichkeiten der Berufsausbildung und besser ausgebildetes Personal geben.
  6. Dadurch, dass die Regierungen in unseren Ländern nicht handeln, wachsen Armut und Ausbeutung.
  7. Man möge sich in unsere Lage begeben, um am eigenen Leibe zu spüren, was wir durchleben.
  8. Wir fordern sie auf, die Kinderrechte einzuhalten.
  9. Unsere lokalen Autoritäten und unsere Bevölkerung möge unsere Organisation anerkennen.
  10. Der Präsident möge uns den Platz einräumen, der uns zusteht und unsere Arbeit als ein Recht anerkennen.
  11. Wir benötigen Unterstützung und nicht, dass man uns mit Dieben, Drogenabhängigen etc. verwechselt.
  12. Man möge unsere Organistion anerkennen als ein Instrument, das den Protagonismus der NATs fördert und unsere Lebensbedingungen verbessert.
  13. Gleiches Recht für alle.

Organisation

Wir erwarten

    1. Unterstützung von seiten der Regierungen,
    2. unsere Anerkennung als kompetente Personen,
    3. unsere Einbeziehung als aktive Protagonisten bei Vereinbarungen,
    4. Anhörung unserer Meinung,
    5. Anerkennung unserer Organisation der NATs,
    6. Anhörung und Respektierung unserer Meinung,
    7. unsere Einbeziehung und Information bei dem Erlass neuer Gesetze zum Wohl der Bevölkerung.

Gesundheit

Wir fordern

  •  
    1. mehr Krankenhäuser,
    2. mehr finanzielle Mittel für medizinische Behandlung,
    3. die Regierungen auf, mehr in Gesundheit zu investieren, mehr Mittel zur Verfügung zu stellen,
    4. kostenlose Krankenversicherung für die NATs,
    5. kostenlose Vergabe von Medikamenten,
    6. gute Betreuung und keine Diskriminierung,
    7. mehr Mittel für humanitäre Projekte,
    8. regelmäßige Besuche in den Wohnvierteln und bessere Gesundheitsvorsorge.

Erziehung/Bildung

Wir fordern

  •  
    1. gute Austattung der Schulen,
    2. dass man uns respektiert,
    3. eine kostenlose Grundbildung,
    4. eine qualitativ gute Schulildung,
    5. eine technische Bildung (Schulabschluss mit einem Berufsdiplom),
    6. kostenlose Schülerfahrscheine,
    7. kostenloses Mittagessen für alle Schüler,
    8. keine Ausweitung der Unterrichtsstunden,
    9. qualifizierten Unterricht im Rahmen der derzeitigen Unterrichtsstundenzahl (Qualität ist nicht gleich Quantität).

 

Lateinamerikanische und Karibenische Bewegung der arbeitenden Kinder und Jugendlichen (MOLACNATs)

Asunción, Paraguay

18. August 2001